Brief an Marktoberdorf und alle Mitbürger
„We have a dream!“ – Marktoberdorf 2035
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Stadtfamilie,
träumen wir nicht alle davon: von einem besonderen Marktoberdorf, das noch menschlicher und lebenswerter, noch zukunftsweisender und verbundener ist als es heute schon ist.
Deshalb setzen wir uns in unsere Zeitmaschine, um zu sehen, was wir bis 2035 in Marktoberdorf geschafft haben.
Was wir dort sehen, bewegt uns.
Marktoberdorf 2035: Eine Stadt zum Verweilen und Verlieben
Breite Fußwege laden zum Spazieren ein, grüne Alleen spenden Schatten. Kinder fahren lachend mit dem Fahrrad durch die Stadt, Eltern sitzen entspannt auf Bänken unter Bäumen. Menschen sprechen miteinander, helfen einander, teilen Dinge - Werkzeuge, Geschichten, Zeit, manche sogar ihr Auto. Der CO2-Fußabdruck der Stadt ist deutlich gesunken.
Die Stadt wirkt offener, lebendiger. Der Verkehr ist leiser geworden, und die Luft riecht nach Blättern. Mehr Menschen sind mit dem Fahrrad unterwegs, der Flexibus fährt häufiger. Wer noch Auto fährt, findet plötzlich immer einen Parkplatz.
Wie es dazu kam?
Das Fahrradwegekonzept, das wir 2025 beschlossen haben, wurde weitergedacht und erweitert. Die anfänglichen Bedenken sind längst verflogen. Heute zeigt sich breite Zustimmung: Durch die neu überdachte Verkehrsführung, inklusive Einbahnstraßenregelung Nord-Süd, haben wir Platz gewonnen. Platz für breite, sichere Radwege und Fußwege, für Grünflächen und Bäume, die im Sommer die Hitze erträglicher machen und so ein wirksames Hitzeschutzkonzept mit mehr Grün und Schatten verwirklichen. Ergänzt wurde dies durch den Ausbau der Fernwärme mithilfe von Großwärmepumpen aus Grundwasser – effizient und gemeinschaftlich.
Entscheidend war der Mut, große Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen in eine lebenswerte Zukunft zu treffen.
In den neuen grünen Oasen entlang der Meichelbeckstraße und der Bahnhofstraße sitzen Menschen unter Bäumen und kommen ins Gespräch – ohne Konsumzwang, unabhängig von Einkommen oder Herkunft.
Nicht eine große Vision, sondern viele kleine Bilder machen diese Zukunft greifbar.
Stellen Sie sich vor:
Eine Frau erzählt ihrem Nachbarn von der Renovierung eines Zimmers. Sie braucht einen Schwingschleifer. Er kennt die Lösung: die neue „Bücherei der Dinge“ in Marktoberdorf.
Ein Mann erzählt, dass er sich früher oft einsam fühlte – aus Angst, zu stören oder sich aufzudrängen. Heute findet er in den grünen Oasen entlang der Meichelbeckstraße Menschen, mit denen er ohne Scheu ins Gespräch kommt oder einfach zusammensitzt. Für ihn sind es Inseln der Begegnung.
Ein Student liest. Ein älterer Herr setzt sich dazu. Der Student erklärt ihm, wie das Smartphone besser genutzt werden kann.
Ein paar Schritte weiter sitzt eine Frau im Schatten. Sie blickt in den Himmel und spürt: Abenteuer müssen nicht im Ausland stattfinden – sie können mitten in Marktoberdorf beginnen.
Ein Lastenrad hält am Rand der Oase – Teil eines buchbaren Fahrdienstes, der auf Wunsch auch regional einkauft und ausliefert.
Diese kleinen Szenen sind alltäglich geworden. Sie zeigen, wie Nähe, Vertrauen und neue Angebote das Leben leichter machen – und wie daraus ein neues Miteinander wächst.
Der entspannte Austausch in diesen Oasen lässt die Menschen die positiven Entwicklungen wahrnehmen. Sie reden über die guten Seiten der Menschen, nicht nur über negative Nachrichten. Sie spüren, dass ihr Handeln etwas bewegt, und engagieren sich deshalb für die Gesellschaft.
Daraus wächst Optimismus als Zukunftskraft.
Schon heute gibt es in Marktoberdorf Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Dort wächst bereits, was die Zukunft prägt: Begegnung, gegenseitige Unterstützung und neue Formen des Miteinanders.
In dieser Zukunft sitzen am Abend Jugendliche auf den Bänken, reden über ihre Zukunft, schmieden Pläne. Sie spüren: Diese Stadt gibt ihnen Raum, Hoffnung und Möglichkeiten.
Warum wir Ihnen das erzählen?
Wir sind zurück aus der Zukunft – mit diesem Bild im Herzen. Nicht, um Forderungen zu stellen, sondern um eine Sehnsucht zu teilen: nach einer Stadt, in der wir uns noch mehr begegnen als heute, in der wir zuversichtlich leben und gemeinsam gestalten.
Zukunft braucht Vorstellungskraft. Sie braucht konkrete, glaubhafte Bilder davon, wie es sein könnte. So entsteht Sehnsucht nach einer lebenswerten Zukunft.
Wie könnte die Zukunft Marktoberdorfs aussehen - eine Zukunft, in die wir uns verlieben möchten?
Wir laden Sie ein, Ihren Zukunftsmuskel zu trainieren: faktenbasiert zu träumen – gerne gemeinsam mit Bekannten, Nachbarn oder beim nächsten Klimatreff.
Denn diese Zukunft entsteht nur gemeinsam – mit Offenheit, Mut und konstruktiven Schritten. Diese Zukunft zu denken und zu gestalten ist eine Aufgabe, die uns alle verbindet – unabhängig von jeder Parteizugehörigkeit.
Gestalten wir sie miteinander.
Wagen wir neue Wege.
Denn nur gemeinsam entsteht das Marktoberdorf, das wir uns wünschen.
Mit hoffnungsvollen Grüßen,
Der Klimatreff „Mensch und Zukunft“ der Pfarreiengemeinschaft Marktoberdorf
Ansprechpartner:
Dr. Florian Kautzky